Let's rock: Die neue Nordkurve kommt schon zur Rückrunde!
Geschrieben von: UN94   
Montag, den 07. September 2009 um 07:43 Uhr

An die Nordkurve Nürnberg:

Es ist nicht Neues, dass man als Glubbfan stets mit Überraschungen rechnen muss. Nachdem vor einigen Wochen das endgültige Aus des Projekts „Block 8“ nach der Winterpause verkündet werden musste, platzte jetzt die nächste Bombe: Schon zur Rückrunde dieser Saison wird der Nordkurve eine neue Struktur verpasst. Somit werden in wenigen Monaten neue Stimmungsblöcke in den alten Stehplatzbereichen geschaffen. Der ursprünglich angedachte Wechsel in die Blöcke 1 und 3 in der Rückrunde ist somit vom Tisch!

ULTRAS NÜRNBERG begrüßt diese schnelle Lösung ausdrücklich! Sie ermöglicht einen sauberen Übergang vom Block 8 in die neuen Stimmungsblöcke, und bringt ohne Umwege neue Chancen für die Nordkurve. Wir appellieren an alle Glubbfans, die nun genauso wie wir von einem Dauerkartenumtausch betroffen sind, die für uns alle neu entstehenden Möglichkeiten zu erkennen,zu nutzen und zu fördern!

Vertreter von ULTRAS NÜRNBERG waren zusammen mit mehreren anderen Personen aus der Fanszene in den letzten Wochen in intensiven Verhandlungen mit dem 1. FC Nürnberg, der Stadt Nürnberg und der Betreibergesellschaft des Stadions. Im folgenden wollen wir euch daher ausführlich über die Hintergründe und die Ausgestaltung der neuen Nordkurve aus unserer Sicht informieren.

 

Notwendigkeit von neuen Stimmungsblöcken

Unabhängig von dem Weg, wie dies letzten Endes nun realisiert wird, stand zu Beginn der Diskussion das für uns unverrückbare Ziel, einen neuen Stimmungsbereich innerhalb der Nordkurve zu definieren. Durch den Wegfall des Block 8, und somit in letzter Konsequenz des gesamten Oberrangs, als den Ort von dem die Atmosphäre im Max-Morlock-Stadion maßgeblich ausgeht, entstand die Notwendigkeit einer Neuordnung der Fankurve. Mit dem aktuellen Stimmungskern „im Eck“ gab es zwar eine gewachsene Struktur, die jedoch den grundsätzlichen Nachteil hatte, dass es schwer war weitere sangesfreudige Mitglieder der Nordkurve mit einzubinden.

Wenn man es realistisch betrachtet, ist die Vorstellung utopisch, dass sich die gesamte Nordkurve von Block 1-13 an der durchgehenden, akustischen Unterstützung der Mannschaft beteiligt. Die Personenanzahl, die 90 Minuten lang singen möchte und kann, ist schlichtweg begrenzt. Wir schätzen diesen Kreis momentan auf gut 3500 Leute. Die restlichen Fans in der Nordkurve beteiligen sich nur situationsbedingt an den Anfeuerungen. Keiner dieser unterschiedlichen Gruppen ist besser oder schlechter, jede hat ihre Berechtigung, was absolut in Ordnung ist. In der jetzigen Situation jedoch sind beide Gruppen innerhalb der Nordkurve vermischt, so dass man sich teilweise gegenseitig das Leben unnötig schwer macht, was nicht selten zu Konflikten führt. Manch einer, der sich gerne nonstop an den Gesängen beteiligen möchte, steht weit abgeschlagen im Block 13, Block 5 oder sitzt gar auf Block 1 oder 3, ohne eine Möglichkeit zu haben in den Stimmungskern zu gelangen. Andere wiederum stehen im Block 7, 9 oder 11, und fühlen sich durch die permanente Beschallung durch die Lautsprecheranlage oder Fahnengeschwenke gestört, da sie nur ab und zu in besonderen Momenten ihre Stimme erheben wollen.

Somit lag es auf der Hand mittelfristig neue Bereiche mit veränderten Blockstrukturen in der Nordkurve zu schaffen und von vornherein klar zu definieren. Über deren Ausgestaltungen wurde im neu ins Leben gerufenen „Arbeitskreis Nordkurve Nürnberg“, dem verschiedene Fanvertreter und Vereinsoffizielle angehörten, lange diskutiert. Unter Berücksichtigung unterschiedlichster Auflagen, Verordnungen und baulicher Zwänge, konnte sich am Ende ein Modell durchsetzen, dass die Stehplätze in der Nordkurve in einen Stimmungsbereich und einen ruhigeren Bereich teilt. Auf der Seite der Blöcke 1-5 sollen all diejenigen Fans eine Heimat finden, die mit ihren Anfeuerungsrufen nur gelegentlich spielbezogen reagieren oder sich gar nicht an Gesängen beteiligen wollen. In diesem Bereich soll auch die durchgehende, freie Sicht aufs Spielfeld garantiert werden, da dort große Schwenkfahnen und Doppelhalter eine Seltenheit darstellen dürften.

In dem Teil der jetzigen Blöcke 9-13 soll der neue Stimmungskern entstehenden. Der aktuelle Block 7, der direkt angrenzt, ist als eine Art Puffer oder Mischblock gedacht, der zunächst nicht in den Stimmungsbereich fällt, aber Platz bietet um diesen vielleicht in einigen Jahren zu erweitern. Es war von Anfang an klar, dass dieses Modell nicht ohne bauliche Veränderungen realisierbar sein würde. Seit Saisonbeginn steht bereits fest, dass die Blöcke 1 und 3 wieder zu echten Stehplätzen umgewandelt werden, womit der erste Schritt getan war. Somit ging es anschließend darum, einen großen Wunsch vieler Fans innerhalb der Nordkurve zu verwirklichen, nämlich der Schaffung eines großen Stehplatzblocks. Verschiedenste Szenarien wurden durchgespielt, wovon die meisten schnell verworfen werden mussten, denn die Vorgaben durch die Versammlungsstättenverordnung sowie der bauliche Gegebenheiten im Max-Morlock-Stadion setzten einen engen Rahmen. So mussten wir unter anderem akzeptieren lernen, dass es in Nürnberg nicht erlaubt ist, Stehplatzblöcke so zu gestalten, dass die Kapazität 2500 Personen übersteigt. Weitere Beispiele, mit denen wir uns herumärgern mussten, sind die Verordnung, dass in einem großen Block mindestens drei Eingänge mit entsprechenden Stufengängen vorhanden sein müssen oder die Tatsache, dass man bei Planung dieser Stufengänge oder Blockbegrenzungen auf vorhandene Stützpfeiler achten muss. Am Ende wurde von allen Beteiligten Institutionen die eigentlich naheliegendste Lösung abgenickt, nämlich die Zusammenlegung der bisherigen Blöcke 9 und 11 inklusive der Schaffung des notwendigen dritten Stufengangs direkt an der Blockbegrenzung Richtung Block 7.

Dieser neue Block, mit dem Projektnamen „Block 911“ soll zusammen mit dem Block 13 den zukünftigen Stimmungsbereich bilden. Insgesamt wird es dort Platz für etwas über 3500 Glubbfans geben. Nur vor diesen beiden Blöcken werden dann die Lautsprecher unserer Anlage aufgestellt, womit deutlich wird, dass dieser Bereich ausdrücklich für all diejenigen der richtige Ort ist, die 90 Minuten lang, durchgehend unsere Mannschaft unterstützen wollen. Im Block 911 wird es, soweit die Planung, zwei Vorsängerpodeste und im Block 13 ein weiteres Podest geben. In beiden Blöcken sind Fahnen und Doppelhalter natürlich absolut erwünscht, denn es soll lebendig und farbenfroh zugehen. Genauso wird das Hauptaugenmerk bei kleineren Aktionen und Choreographien auf den Blöcken 911 und 13 liegen. Die neuen Stimmungsblöcken sollen also die neue Heimat für alle aktiven Fans und Ultras werden!

Diese neue Struktur sollte also in naher Zukunft umgesetzt werden, da waren sich alle Beteiligten im „Arbeitskreis Nordkurve Nürnberg“ einig. Der schwierigste Teil dieser Idee war damit jedoch noch nicht ansatzweise gelöst, nämlich die konkrete Realisierung all dieser Vorhaben.

Umsetzung zur Winterpause

Eines vorneweg gesagt: Es gibt keine Möglichkeit, die neue Struktur der Nordkurve umzusetzen, ohne dass es Betroffene gibt, die darüber verärgert sind.

Schließlich waren die Allerersten, die enttäuscht und geschockt wurden, ULTRAS NÜRNBERG selbst. Denn trotz der Vorteile, die wir in der Neuaufteilung der Nordkurve sehen, wäre es uns am liebsten gewesen, nichts ändern zu müssen. Jahrelang haben wir für unsere eigentliche Heimat, den Block 8, gekämpft. Im Oberrang hatten wir einen Ort gefunden, der mittlerweile mit zu unserer Identität geworden ist, und bei dem es für uns eigentlich unvorstellbar gewesen ist, ihn jemals wieder verlassen zu müssen. Lange haben wir uns innerlich geweigert, den Umstand zu akzeptieren, dass wir am Ende ohne eigene Schuld den Block 8 aufgeben und wieder in den Unterrang wechseln müssen. Aber irgendwann mussten auch wir erkennen, dass es keine andere Alternative gibt.Langsam haben wir damit begonnen, uns mit der neuen Situation anzufreunden und nach Chancen Ausschau zu halten, die sich durch den Wechsel ergeben könnten.

Durch unsere Erfahrungen zu Saisonbeginn sind wir also auch die Allerersten, die all die Fans verstehen können, die sich jetzt durch die Ankündigung des 1. FC Nürnberg, dass sie in der Winterpause ihre Dauerkarte tauschen müssen, gegen den Kopf gestoßen fühlen.

Genauso sind wir aber ebenfalls diejenigen, die alle Betroffenen mit Nachdruck darum bitten, den Dauerkartenumtausch und die neue Struktur der Nordkurve genauso zu akzeptieren, wie wir es im Fall des endgültigen Aus für den Block 8 tun mussten.  Die Umsetzung der Umbaumaßnahmen und dem damit verbundenen Wechsel der Dauerkartenplätze innerhalb der Winterpause ist ohne Frage äußerst unglücklich, um sich milde auszudrücken. Wir hätten uns gewünscht, dass dies wesentlich anders über die Bühne gehen würde, und haben auch schon frühzeitig entsprechende Vorschläge an den 1.FCN herangetragen. Es wäre natürlich wesentlich einfacher gewesen, wenn die entsprechenden Planungen schon weit vor Saisonbeginn abgeschlossen gewesen wären. Dass dies aus verschiedenen Gründen nicht geklappt hat, haben wir schon in unseren Erklärungen zum Ende des Block 8 im Juli und August dargestellt. Trotzdem halten wir es absolut für richtig, dass die Maßnahmen nun nach Ende der Hinrunde durchgeführt werden. Zunächst war bei den Gesprächen mit Vereinsvertretern im „Arbeitskreis Nordkurve Nürnberg“ die Rede davon, die Neustrukturierung erst zur kommenden Saison 2010/11 anzugehen. Dies hätte die bekannte Konsequenz gehabt, den Stimmungsbereich in der Rückrunde für eine Übergangszeit von einem halben Jahr in den Blöcken 1 und 3 anzusiedeln, da die Entscheidung, dass man nach der Winterpause im Block 8 nicht mehr stehen darf, bekanntlich unveränderlich feststand. Da durch eine Änderung der Vorschriften für Stehplatzblöcke nun aber ohnehin kleinere Umbaumaßnahmen in der Winterpause durchgeführt werden müssen, die mit der ganzen Situation rund um Block 8 eigentlich nichts zu tun haben, wurde beim 1. FC Nürnberg entschieden, die komplette neue Nordkurvenstruktur nun vorzuziehen. Wir anerkennen, dass sich beim 1.FCN keiner der Verantwortlichen die Entscheidung leicht gemacht hat, in der Winterpause einen Dauerkartenumtausch durchzuführen. Letztendlich hat sich aber die Überzeugung durchgesetzt, lieber jetzt eine „große Lösung“ zu realisieren, anstatt das Prozedere erst zur kommenden Saison durchzuziehen. Um das Ganze also noch einmal deutlich zu betonen: Die neue Blockstruktur mit dem Stimmungsbereich und dem ruhigeren Bereich wäre so oder so gekommen, spätestens wohl zur Saison 2010/11. Durch die jetzt getroffene Entscheidung, wird also lediglich ein grundsätzlich angedachtes Verfahren vorgezogen. Für die Nordkurve als Ganzes ist dies ein Glücksfall, da sie dadurch in der Winterpause nicht auseinandergerissen wird. Für einzelne Personen, die vom Dauerkartenumtausch betroffen sind, ist es selbstverständlich mühselig und unangenehm. Aus unserer Sicht sollte es aber zumutbar sein, dass jeder einen kleinen Beitrag leistet, dass die Nordkurve nach dem Aus für Block 8 nichts von ihrer Kraft verliert.

Umtausch der Dauerkarten

Nicht nur wir ULTRAS sind also gezwungen unsere liebgewonnenen Stammplätze im Block 8 aufzugeben, sondern auch viele Dauerkartenbesitzer in den Unterrangblöcken 7-13 müssen einen Standortwechsel vornehmen. Es muss aber festgestellt werden, dass außer den bisherigen Dauerkarteninhabern auf Block 8 niemand qualitativ schlechtere Plätze einnehmen wird. Die Sicht aufs Spielfeld ist in den Blöcken 1 und 3 quasi die gleiche wie von den Blöcken 9-13 aus. An dieser Stelle kann man die berechtigte Frage anbringen, warum man den neuen Stimmungsbereich nicht fest für die Blöcke 1 und 3 geplant hat, und sich damit den Dauerkartenumtausch in den Blöcken 7-13 gespart hätte. Im „Arbeitskreis Nordkurve Nürnberg“ wurde natürlich auch diese Möglichkeit diskutiert. Sie schied jedoch frühzeitig aus, da sie sowohl durch die Vereins- als auch durch die Fanvertreter als nicht durchführbar angesehen wurde. Die Offiziellen des 1.FCN wollten aus nachvollziehbaren Gründen die Stimmungsblöcke nicht in unmittelbarer Nähe zur Haupttribüne haben. Von den im Arbeitskreis beteiligten Fans gab es ebenfalls Widerstand, da sich die Blöcke 1 und 3 aufgrund der baulichen Gegebenheiten mit dem mittigen Durchbruch zwischen den beiden Sektoren, nicht für einen Stimmungsbereich eignen.

Der Umtausch der Dauerkarten für neue Blöcke wird voraussichtlich nach dem letzten Heimspiel in der Hinrunde gegen den Hamburger SV über die Bühne gehen. Um den logistischen Aufwand etwas abzumildern, wird der 1.FCN für die neuen Stimmungsblöcke eine Möglichkeit zur Vorreservierung anbieten. Dazu wird es schon ab dem Pokal-Heimspiel gegen Hoffenheim Formulare geben, die von der Fanbetreuung gesammelt werden.

Alle Glubberer, die ab der Rückrunde im neuen Stimmungsbereich stehen wollen, sind aufgerufen, das Formular auszufüllen und sich somit vorzeitig ihre Dauerkarte für die Blöcke 911 & 13 zu sichern. Das Vorreservierungsformular gibt es bei der 1.FCN-Fanbetreuung am Valznerweiher, am Container von ULTRAS NÜRNBERG im Stadion und über die OFCNs (Offizielle Fanclubs). Auch wenn bis zum Beginn des offiziellen Umtauschzeitraums Mitte Dezember noch drei Monate Zeit sind, rufen wir dazu auf, möglichst schnell die Vorreservierung vorzunehmen und die Formulare auszufüllen!

Neben den direkt betroffenen Fans in de n Unterrangblöcken 7-13 sowie im Block 8, gibt es auch für alle anderen Fans mit Dauerkarten in der Nordkurve die Möglichkeit zur Rückrunde in den neuen Stimmungsbereich zu wechseln. Das heißt, auch Fans, die beispielsweise im Block 5 stehen oder im Block 10 sitzen, können das Formular nutzen und dann ihre Dauerkarte umtauschen. Es wurde uns zugesichert, dass alle Glubberer, die in der Winterpause eine teure Oberrangdauerkarte gegen eine günstigere Unterrangdauerkarte tauschen, den Differenzbetrag erstattet bekommen. Details dazu werden noch vom 1.FCN veröffentlicht.

Verärgerung und Unverständnis über die Maßnahmen

Wie schon mehrfach erwähnt, ist es für ULTRAS NÜRNBERG mehr als nur nachvollziehbar, wenn die vielen treuen Fans, die teilweise seit Jahren Dauerkarten in den Blöcken 7-13 besitzen, zunächst wenig bis gar keine Begeisterung für die getroffene Entscheidung aufbringen können. Mit Sicherheit werden viele über den notwendigen Dauerkartenumtausch sehr wütend sein. Schlagworte wie „Vertreibung“ werden fallen, und so manch einer wird sich fragen, was sich der 1.FCN herausnimmt, ihm den vor der Saison gewählten und bezahlten Dauerkartenplatz de facto wegzunehmen. Für uns sind solche Gedankengänge nicht neu, denn die gleiche Wut und Enttäuschung hat auch uns erfasst, als wir erfahren haben, dass wir nicht weiter auf Block 8 bleiben können.

Es wird vermutlich auch der Vorwurf aufkommen, dass der 1.FCN ausschließlich auf Wünsche von ULTRAS NÜRNBERG eingeht, und die Interessen anderer Fans mit Füßen tritt.Uns ist bewusst, dass es schwierig bis unmöglich sein wird, gerade das letztgenannte Vorurteil bei jedem aus dem Weg zu räumen. Wir wollen trotzdem versuchen an dieser Stelle auf diese Meinungen einzugehen. Für uns war es, wie gesagt, selbst nicht einfach sich mit der neu entstandenen Situation anzufreunden, weshalb wir den nun auch betroffenen Fans noch einmal die positiven Seiten darzustellen wollen. Selbstverständlich kann es nicht für jeden eine Lösung geben, die einen voll umfassend zufrieden stellt. Veränderungen, egal welcher Art, sind niemals einfach zu bewerkstelligen und verlangen auch, dass man selbst über seinen Schatten springt um sich mit der neuen Situation zu arrangieren. In den meisten Fällen stellt man später jedoch fest, dass die Veränderung viel Gutes gebracht hat und dass es eigentlich unnötig war, sich im Vorfeld dagegen zu sperren.

ULTRAS NÜRNBERG hat im „Arbeitskreis Nordkurve Nürnberg“ alle getroffenen Entscheidungen begleitet. Natürlich waren wir aber nicht die einzigen Vertreter von Seiten der Fans, sondern auch andere Fanclubs- und organisationen waren beteiligt, beispielhaft seien der Supporters-Club oder das Fanprojekt genannt. Es gehört zu unserem Selbstverständnis, dass wir uns bei allen Gesprächen darum bemüht haben, nicht stur eigene gruppenspezifische Interessen zu verfolgen, sondern die Nordkurve als Ganzes mit ihrer großen Vielfalt im Auge zu haben. Auch wenn es natürlich ein Ding der Unmöglichkeit ist, war es stets das Ziel aller Beteiligten, dass es am Ende möglichst viele Gewinner gibt.

So ist es absolut erfreulich, dass quasi als Nebenprodukt des ganzen Prozesses, eine Erweiterung der Stehplatzkapazitäten steht. Somit besteht die Möglichkeit in Zukunft wieder neue Gesichter in der Nordkurve zu begrüßen, die bisher beispielsweise in die Südkurve ausweichen mussten. Dieser Umstand tröstet zwar alle vom Dauerkartenumtausch betroffenen Fans wenig, aber dies ist ein gutes Beispiel dafür, dass man nicht nur auf sich selbst schauen sollte.

Durch die neue Struktur der Nordkurve wird endlich klar definiert, was die Fans in den jeweiligen Stehplatzblöcke erwartet. So könnte es also ab der Rückrunde der Vergangenheit angehören, dass sich zum Beispiel einzelne Fans über ständiges Fahnenschwenken vor ihren Köpfen beschweren oder dass sich wiederum andere Personen über umstehende Fans ärgern, die nicht 90 Minuten lang mitsingen. Solche Situationen haben in der Vergangenheit immer wieder zu Konflikten innerhalb der Nordkurve gesorgt. Dabei sollte doch jeder Glubberer einen anderen Glubberer so akzeptieren und respektieren, wie er meint, sein Fandasein auszuleben. Dies wird leichter fallen, wenn ruhigere und lautere Fans nicht mehr wild durcheinander gewürfelt zusammenstehen, sondern jeder in den eindeutig definierten Blöcken seine Heimat hat.

Wenn man dieses eigentlich einleuchtende und wünschenswerte Szenario erreichen möchte, muss man einsehen, dass eine Umsetzung nur möglich ist, wenn man eine grundlegende Veränderung in der Nordkurve vornimmt. Das bedeutet unterm Strich, dass die Dauerkartenplätze neu verteilt werden müssen. Genau dies geschieht nun, und verlangt im Endeffekt von allen, sich umzugewöhnen. Anstatt in den Block 8 wird man in Zukunft zum Beispiel in den Block 13 gehen, wenn man dahin möchte, wo 90 Minuten lang die Post abgeht. Wer bisher einen ruhigen Standort im oberen Eck des Block 11 hatte, wird ab der Rückrunde einen neuen Stammplatz zum Beispiel im Block 3 finden. Das wird erstmal neu und ungewohnt sein, aber mit Sicherheit nach kurzer Zeit zu einer Selbstverständlichkeit werden.

Wir haben uns sehr dafür eingesetzt, dass durch die Zusammenlegung der Blöcke 9 und 11 ein neuer, großer Stehplatzblock entsteht. Unser Antrieb dazu bestand in erster Linie darin, zukünftig mit so vielen Personen aus unserem Umfeld zusammen in einem Block zu stehen, wie möglich. Schließlich steht die Hauptgruppe von ULTRAS NÜRNBERG zur Zeit im Block 8, während sich viele andere Freunde und Bekannte von uns in anderen Blöcken im Unterrang befinden. Ab der Rückrunde haben wir nun die Möglichkeit uns gemeinsam in einem Block zu befinden, anstatt auf verschiedene Standorte verteilt zu sein. Wir sind aber nicht die einzigen, die auf diese Art und Weise profitieren. Wir wissen von vielen Fanclubs, deren Mitglieder quer über die ganze Nordkurve verstreut sind, und keine Chance sahen, jemals zusammen zu stehen. Durch den Dauerkartenumtausch und damit verbundene Neuverteilung ergibt sich jetzt die Möglichkeit, sich zusammen mit seinen Freunden Dauerkarten in einem neuen Block zu sichern. Das Hauptanliegen von ULTRAS NÜRNBERG ist es bekanntlich, unsere Mannschaft lautstark zu unterstützen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen alle, die sich für den 1.FCN die Kehle heiser schreien wollen, gebündelt werden. Dies haben wir in den vergangenen Jahren, seitdem wir im Jahr 2000 ins Herz der Nordkurve zurückgekehrt sind, stets vorangetrieben. Trotzdem verlief die Entwicklung phasenweise sehr schleppend. Durch die neuen Stimmungsblöcke sehen wir jetzt die Gelegenheit, auf einen Schlag alle, die 90 Minuten lang singen wollen, zusammenzubringen. Wir haben allen Anlass dazu, zu hoffen, dass die Stimmung in der Nordkurve mittelfristig wesentlich verbessert wird und sich unsere Lautstärke erhöht.

Dass unsere Mannschaft durchgehend durch Gesänge unterstützt wird, sollte eigentlich etwas sein, dass sich jeder Glubbfan im Max-Morlock-Stadion wünscht – egal, ob er sich selbst aktiv daran beteiligt oder nicht! Wir haben in diesem Text schon einmal geschrieben, dass niemand ein schlechterer oder besserer Fan ist, wenn er 90 Minuten lang singt oder nicht. Aber auch, wenn man sich nicht ständig an den Anfeuerungen beteiligen möchte, sollte man insofern seinen Beitrag leisten, dass man die Voraussetzungen für reine Stimmungsblöcke unterstützt. Da nun festgelegt wurde, dass sich der neue Stimmungsbereich dort befinden wird, wo bisher die Unterrangblöcke 9-13 waren, sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dieser Entwicklung nicht unnötig Steine in den Weg zu legen. Jeder Besucher der Nordkurve trägt eine Verantwortung in sich, und diesem Fall kann dies auch bedeuten, seinen langjährigen Stammplatz aufzugeben! Letzten Endes geht es um den 1. FC Nürnberg und die bestmögliche Unterstützung der Mannschaft. Das sollte es doch wert sein, sich auf Veränderungen einzulassen, die den Fortschritt der Nordkurve gewährleisten!

Zukunftsaussichten für die neuen Stimmungsblöcke

Wie wird es sein im neuen Stimmungsbereich ab der Rückrunde? Noch ist dies eine Fragestellung, die viele unbekannte Faktoren beinhaltet. Aber da ist der Traum, dass sich 3500 motivierte Personen in den Blöcken 911 und 13 befinden, die 90 Minuten lang durchdrehen! Lautstarke Gesänge werden ertönen, oft sogar lange vor Spielbeginn. Neue, melodische Lieder werden intoniert, die sich innerhalb kürzester Zeit in den Köpfen festsetzen. Regelmäßig werden vor Spielbeginn spektakuläre Choreographien veranstaltet, die geschickt die baulichen Gegebenheiten im lang erstreckten Stimmungsbereich ausnutzen. Während des Spiels geben die Blöcke 911 und 13 mit ihren Gesängen den Rhythmus des Spiels vor, niemals herrscht Ruhe. Ständige Bewegung ist das Markenzeichen, es werden Fahnen geschwenkt, Doppelhalter in die Höhe gehalten, die rot-schwarzen Schals wirbeln durch die Luft. Die Leidenschaft ist spürbar, wenn zusammen Siege bejubelt oder Niederlage betrauert werden...

Wenn ihr euch jetzt angesprochen fühlt, dann zögert nicht, euch das Formular für die Vorreservierung für die neuen Stimmungsblöcke zu holen! Seid dabei, wenn ein neues Kapitel in der Geschichte der Nordkurve Nürnberg geschrieben wird! Immer weiter, niemals zurück...

ULTRAS NÜRNBERG, 7. September 2009