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Ob man es nun mit dem Literaturtheoretiker Roland Barthes hält, der behauptet, dass jeder Satz schon einmal gesagt, jeder Gedanke schon einmal gedacht worden ist, mit Goethes Wilhelm Meister der da sagt "Alles Gescheite ist schon gedacht worden. Man muss nur versuchen, es noch einmal zu denken“, oder aber mit dem gemeinen Glubberer „Hob I scho hundädd mol gsegn, dei Debbn, imma widda valiern’s asu.“, wirklich neu war nichts an der Niederlage, die sich der FCN bei der Borussia aus Dortmund abholte. Nicht das Abwehrverhalten, nicht die Aufstellungsproblematik, nicht der fehlenden Torerfolg. Alles schon mal gesehen in diesem Jahr: In Leverkusen, in Hoffenheim.
Trotz dieser abschreckenden Erinnerungen, hatte das 0:4 beim Tabellen-Neunten eine andere, bedrückendere Qualität. Allen voran das dilettantische Abwehrverhalten an diesem Samstagnachmittag muss dem geneigten Anhänger des FCN die Sorgenfalten ins Gesicht treiben. Als die Abwehrkette vor dem 1:0 ins Nichts verschiebt und so Großkreutz die wahrscheinlich unbedrängteste Fläche im ganzen Stadion anbietet, war es der Anfang einer nicht enden wollenden Serie an Pannen. Oft standen die Club-Abwehrspieler zu weit weg vom Gegenspieler, gingen nicht energisch entgegen, ließen die Dortmunder einfach gewähren. Da half es nichts, dass Alexander Stephan vor den beiden nächsten Gegentoren den Ball berührte, der junge Schäfer-Vertreter war noch der beste in einer höchst unsortierten Defensive. Womöglich macht sich hier das – selbstverschuldete - Fehlen des Organisators und Wachrüttlers Raphael Schäfer doch bemerkbar. So ruhig wie Stephan hätte Schäfer das 1:0 sicher nicht hingenommen. Doch nicht nur die Abwehr spielte wie die eines Absteigers, auch der Rest der Mannschaft zeigte keinerlei Erstligatauglichkeit. Egal, ob Mittelfeld oder Angriff, keiner der Weinroten auf dem Feld brachte nach dem Gegentor zum 1:0 noch etwas zustande. Auch das etwas, was man in dieser Spielzeit schon viel zu oft erleben konnte. Neunmal geriet der Glubb in dieser Spielzeit bereits in Rückstand, lediglich einmal sprang danach noch ein Punkt heraus. Die Frage nach dem Warum führt wohl in die Mannschaftsstruktur. Zu jung, zu unerfahren oder zu ruhig muss da das harte aber berechtigte Urteil lauten. Auch in Dortmund war von keinem ein Aufbäumen, von keinem ein „So kann’s nicht weitergehen“ zu spüren. Diese Einstellungsproblematik zu ändern liegt auch in der Verantwortung des Trainers. Der zwar – fast zum ersten Mal in dieser Spielzeit – mehr stand als saß und versuchte ins Spiel einzugreifen, dem aber keinerlei positive Veränderungen gelangen. Oenning muss sich natürlich auch Kritik gefallen lassen, dass er mit der Idee Eric Chuopo-Moting auf der Position hinter den Spitzen einzusetzen, einen klassischen Griff in die Porzellanschüssel getan hatte. Woher Oennings Überzeugung rührte, dass Chuopo-Moting die Fähigkeiten habe, auf dieser Position zu bestehen und für Akzente zu sorgen, bleibt wohl sein Geheimnis. Ebenso wie die Gedanken hinter dem Einsatz von Isaac Boakye, der völlig bindungslos blieb, und der Einwechslung von Angelos Charisteas zum Unzeitpunkt – nach einer Stunde beim Stand von 0:3 als klar war, dass „Harry“ nichts mehr bewegen würde. Der Trainer wirkt zunehmend ratlos und zeigt in seinen Pressekonferenzen einen Hang zur Realsatire, wenn er sich ein ums andere Mal vor die Mannschaft stellt. Sollten die letzten beiden Spiele des Kalenderjahres ebenfalls verloren gehen, müssen die Gedanken in Sachen Trainerwechsel konkret werden, da dann nur ein völliger Neustart in der Winterpause noch Hoffnung auf den Klassenerhalt geben kann. Ansonsten geht es zurück in Liga Zwei, eine Geschichte, die alle Club-Fans zur Genüge kennen und die oft genug geschrieben worden ist.
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