Fortschritt – Hannover 96 – 1. FC Nürnberg 1:3 (0:1)
Geschrieben von: Florian Zenger   
Sonntag, den 31. Januar 2010 um 13:44 Uhr


Drei Torschüsse, drei Tore, Albert Bunjakus Bilanz zeigt symbolhaft, worin die Stärke des FCN an diesem Samstagnachmittag in Hannover lag. Mehr Effektivität und Konzentration in der Offensive ist kaum möglich. Bunjakus Kaltschnäuzigkeit, seine Saisontore sieben, acht und neun, zeigten symptomatisch, wie gut der 1. FC Nürnberg sein kann, wenn alles funktioniert, die Pässe genau ankommen, die Abwehr steht, die Stürmer treffen und der Gegner mitspielt. Die große Frage bleibt nun, ob der Club einen weiteren Sieg dranhängen kann, nachdem in Hannover erst zum zweiten Mal in dieser Saison auf einen Punktgewinn keine Niederlage folgte.

 

 



Natürlich kann als Spieler des Spiels eigentlich nur derjenige gelten, der die drei Tore erzielt hat. Bunjaku zeigte in Hannover, warum er der Stürmer Nummer Eins im Kader ist, auch wenn Hecking ihn diesmal nicht in vorderster Front aufstellte. Wie abgezockt der Schweizer vor dem Tor sein kann, beweist auch die Tatsache, dass er Hannovers Torwart Florian Fromlowitz gleich zweimal den Ball durch die Hosenträger steckte. Dass er dazu die Möglichkeit hatte, verdankte er einer Verbesserung im Offensivspiel, die wenn sie anhält, nur als Riesenschritt vorwärts einzustufen ist. Alle drei Tore Bunjakus fielen nämlich aus dem Spiel heraus, nach Kombinationen, Spielzügen, tödlichen Pässen.

Zentrale Figur für die Bälle in die Spitze war einer, dem man die Rolle als Ballverteiler eigentlich kaum zutraut: Marek Mintal. Der Slowake ließ der Überraschung, dass er in der Startelf zu finden war, die Überraschung seiner Ballverteilungskünste folgen. Sowohl vor dem 1:0, als er Bunjaku selbst frei spielte, als auch vor dem 2:0, als er Dennis Diekmeiers Torvorlage mit einem zielgenauen Pass vorbereitete, gab Mintal den entscheidenden Pass. Womöglich war neben Mintals (Wieder-?)Entdeckung seiner Passgenauigkeit auch die veränderte taktische Grundformation für den Schritt nach vorn im Offensivspiel verantwortlich.

Hecking hatte sich nämlich für ein System entschieden, dass wahlweise als 4-3-3 oder als 4-2-3-1 ausgelegt werden konnte. Wichtiger als die Nomenklatur war allerdings die Tatsache, dass im Gegensatz zu den beiden anderen Spielen unter Hecking die zentrale offensive Mittelfeldposition nicht von zurückfallenden Stürmern oder hereinrückenden Außen besetzt werden musste, sondern im taktischen Grundschema bereits besetzt war. Dass Hecking dafür einen zentralen Stürmer opferte fiel dank Bunjakus Treffsicherheit als „Außenstürmer“ und Charisteas Arbeitspensum als „Mittelstürmer“ kaum ins Gewicht. Charisteas Rackern und Ballgewinnen wurde zwar erneut nicht mit einem Tor belohnt, beim 3:1 darf er sich aber eine Torvorlage gut schreiben; gekonnt hatte er den Ball Bunjaku in den Lauf gespielt.

Eingeleitet hatte das 3:1 mit Andreas Ottl ein weiterer Grund des Siegs. Seine Antizipation und der daraus entstandene Fehlpass von Constant Djakpa sind nur das herausragendste Beispiel für das Defensivspiel der Leihgabe aus dem Süden des Freistaats. Zusammen mit der nicht weniger gut spielenden Leihgabe aus dem Norden der Republik, Mickael Tavares, sorgte Ottl für ein großes Maß an Stabilität, unterband einige Angriffe der Gastgeber und bügelte auch einiger Fehler des Mittelfelds in der Vorwärtsbewegung aus.

Nun ist natürlich ein einziger Sieg bei einem Verein, der sich im freien Fall befindet, keine Zeitenwende, doch die der Blick auf die Tabelle allein zeigt die Wichtigkeit des Sieges. Es bleibt abzuwarten, ob die Mannschaft den sichtbaren Aufwärtstrend auch weiterhin in Punkte umsetzen kann. Völlig unnötige Fehler wie vor dem völlig unnötigen Gegentreffer können gegen mental stärkere Mannschaften schnell zu völlig unnötigen Punktverlusten führen. Andererseits zeigt das Umgehen der Mannschaft mit dem sofortigen Rückschlag nach der Freude des 2:0 auch, dass sie psychisch gefestigter ist als noch unter Heckings Vorgänger.
Unterm Strich ist der Sieg in Hannover ein Mutmacher, ein Ausgangspunkt, aber kein Meilenstein. Der Meilenstein wäre ein Erfolg gegen Stuttgart am Samstagabend, es wäre die Zementierung des durchaus erkennbaren Aufwärtstrends. Dies ist auch der Unterschied zum letzten Sieg bei einem kriselnden niedersächsischen Bundesligisten, das Spiel war noch mehr vom Zufall geprägt, in Hannover hingegen sah man Ordnung und System. Ein Fortschritt, momentan noch ein kleiner.

 

 

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