Punktlandung? – 1. FC Nürnberg – FC Bayern München 1:1 (0:1)
Geschrieben von: Florian Zenger   
Sonntag, den 21. Februar 2010 um 23:42 Uhr

Holt eine Mannschaft im Fußball einen Punkt, dann wird umgehend debattiert: Ist es ein Punktgewinn, ein Punktverlust, ein wichtiger Punkt, ein unwichtiger Punkt? Die meisten dieser Fragen lassen sich erst in der Rückschau beantworten und so verhält es sich letztlich auch mit dem Punkt, den der FCN gegen den Tabellenzweiten aus München holte. Erst die Abschlusstabelle wird mit Sicherheit zeigen, wie wichtig dieser Punkt war. Sicher ist lediglich, dass beide Teilnehmer des 180. fränkisch-bayerischen Derbys ein Spiel ablieferten, das alle Qualitäten eines typischen Derbys vermissen ließ. Fast völlig emotionslos lief das Spiel zwischen dem momentan amtierendem und dem in der Geschichte am längsten amtierenden deutschen Rekordmeister ab. Am Ende blieb daher fast folgerichtig ein Remis, das von den meisten Beteiligten auf Club-Seite allerdings fast wie Sieg gefeiert wurde.

 

 



Gefeiert wurde, weil das Spiel der Nürnberger von Anfang an nur darauf aus war heil aus der Begegnung herauszukommen. Dementsprechend überließ der FCN über weite Strecken des Spiels den Gästen ungefähr zwei Drittel des Spielfelds und ließ sie bis fünfunddreißig bis fünfundzwanzig Meter vor dem Tor frei und flüssig kombinieren. Erst dann nahmen sich die Glubberer der Gäste aus dem Süden an und verhindern meist erfolgreich das Spiel in Richtung Tor. Besonders auffällig wurden die Schwierigkeiten der Münchner in der zweiten Halbzeit als ihre stärkste Waffe Arjen Robben das Feld verlassen hatte; eine einzige Großchance durch Gomez' Kopfball, die Schäfer glänzend parierte, erspielten sich die Gäste. Zusammen mit den zwei weiteren Chancen durch Müller und Olic eindeutig zu wenig für einen Verein mit den Ansprüchen und Möglichkeiten der Münchner.

Diese Tatsache zeigt natürlich, dass die Defensive des FCN über weite Strecken gute Arbeit leistete. Ein wenig erstaunlich angesichts der Tatsache, dass der eigentliche Abwehrchef Andreas Wolf, wie schon in den Wochen zuvor, sich erneut abenteuerliche Fehler erlaubte. Allen voran ein völlig missratenes Rückspiel in der Nachspielzeit, das nur deshalb nicht in einer Torchance mündete, weil Müller den Ball ähnlich dilettantisch wie zuvor Wolf vom Fuß springen ließ. Umso besser waren allerdings Wolfs Nebenleute, allen voran der vom Gegner ausgeliehene Breno. Der Brasilianer unterstrich, warum die Gäste für ihn zwölf Millionen Euro auf den Tisch gelegt haben. Zweikampfstark, antizipationssicher und körperlich jederzeit präsent, zeigte sich der 20-jährige.

Auch die Außenverteidiger hatten ihre starken Momente. Javier Pinola war bissig wie selten in den letzen Wochen und Diekmeier spielte in der zweiten Halbzeit zweimal seine Schnelligkeit aus. Der 20-jährige beeindruckte in der Vorwärtsbewegung als er Diego Contento auf fünf Metern gefühlte zwanzig Meter abnahm und den jungen Linksverteidiger mit spielender Leichtigkeit überlief. Diekmeiers Vorwärtsläufe leiteten zwei Möglichkeiten ein, die Diekmeier jedoch beide Male lieber selbst abzuschließen versuchte. Beide Male wäre eine Flanke wahrscheinlich die sinnvollere Variante gewesen wäre.

Diekmeiers Probleme die Gegenangriffe abzuschließen stehen auch symbolisch für die größte Schwäche des FCN an diesem Samstagnachmittag. Egal, wer die Möglichkeit hatte einen Konter zu fahren, keiner der Angreifer des Glubb schaffte es sich derart zu konzentrieren, dass der Konter gefährlich ausgespielt hätte werden können. So verpasste der FCN einige Male die Gelegenheit die anfällige Defensive der Gäste zu testen und am Ende standen einzig bei Ilkay Gündogan Torchancen zu Buche.

Der 19-jährige reagierte in der 54. Minute nach Eric Chupo-Motings unplatziertem, aber von Butt prallen gelassenen Schuss am schnellsten und stocherte den Ball im zweiten Versuch am Schlussmann der Münchner vorbei. Wenige Minuten später hatte der Deutsch-Türke noch eine weitere Möglichkeit: Einen Fernschuss der knapp an Butts Gehäuse vorbeizischte. Beide Gelegenheiten kamen in der einzigen Phase des Spiels, in welcher der FCN offensiv ernsthaft am Spiel teilnahm. Diese kurze Stärkephase kann jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass der Club offensiv quasi nicht stattfand.

Natürlich ist diese Vorgehensweise, der nahezu völlige Verzicht auf Offensivmaßnahmen und das Verlassen auf die massierte Deckung, ein legitimes Vorgehen für eine technisch und spielerisch unterlegene Mannschaft. Dies heißt jedoch nicht, dass diese Taktik schön anzusehen war oder auch nur allen Anwesenden gefallen muss. Auch Heckings Vorgänger versuchte im Hinspiel ein ähnliches taktisches Vorgehen. Der Unterschied: Wo Oenning scheiterte, erreichte Hecking einen Punkt. Am Ende womöglich ein wichtiger.

 

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