Eine Null mit zehn Nullen – VfL Bochum – 1. FC Nürnberg 0:0
Geschrieben von: Florian Zenger   
Sonntag, den 28. Februar 2010 um 23:49 Uhr

Immer mal wieder findet sich in Spielberichten die Floskel vom „Nullzunull der besseren Sorte“. Die Mannschaften hätten sich bemüht, viel fürs Auge geboten, nur das Tor wollte einfach nicht fallen. Die Partie des FCN am Samstagnachmittag in Bochum war kein solches Nullzunull. Vielmehr war es ein Nullzunull der schlechtesten Sorte. Keine der beiden Mannschaften bemühte sich um an ansehnliches Spiel, keine der Mannschaften wollte gewinnen, keine der Mannschaften hatte den Punkt verdient. Jener Punkt ist auch das positivste, dass der FCN aus Bochum mitnehmen kann, neben der Tatsache, dass man zum ersten Mal seit dem 9. Spieltag zu Null gespielt hat.

 

 



Dass jenes zu Null zustande kam, war verschiedenen Komponenten zu verdanken. Zum ersten der Tatsache, dass Bochum nur selten gefährlich in Richtung des FCN-Tores spielte, denn zu wirklich spielerisch erarbeiteten Torchancen kamen die Gastgeber kaum. Zum zweiten lag es auch an der inzwischen gefundenen defensiven Ordnung des FCN. Der Fortschritt in diesem Bereich ist – Qualität des Spiels hin oder her – deutlich zu erkennen, hier hat sich der Trainerwechsel bezahlt gemacht, erkennt man klar die Handschrift von Dieter Hecking. Da machte es in Bochum sogar nichts aus, dass sich Minuten vor Spielbeginn mit Breno der überragende Mann der letzten Wochen verletzte; der für ihn eingesprungene Maroh erledigte seine Aufgabe tadellos. Zum dritten blieb die Null auch auf Grund eines Faktors stehen, den der FCN in letzter Zeit schmerzlich vermissen ließ: Glück. Sowohl bei der Dreifachchance der Bochumer vor der Pause, als auch bei Sestaks von Maroh abgefälschten Schuss oder beim von Schäfer prallen gelassenen Kopfball durch Sestak, wäre bei unglücklicherem Spielverlauf der Ball im Tor des FCN gelandet. Wie schwach allerdings auch die Gastgeber waren, zeigt sich darin, dass die oben genannten Chancen auch die einzig nennenswerten Offensivaktionen Bochums im ganzen Spiel blieben.

Die Crux des Spiels war, dass sich auch der Glubb kaum Chancen erspielte. Die wenigen Male, in der auch nur ein Torschuss herausgespielt wurde, war der Abschluss in den meisten Fällen harmlos. Der einzige, der offensiv für Bewegung und Gefahr sorgte war einmal mehr Albert Bunjaku. Der Schweizer bemühte sich, arbeitete auch gegen den Ball und holte sich viele Bälle im Mittelfeld ab, was auch zur Folge hatte, dass er sich ein ums andere Mal festdribbelte, da er als er sich den Ball geschnappt hatte, noch viele Meter bis zum Tor vor sich hatte. Umso schwerer wiegt auf Grund der Erkenntnis, dass offensiv sonst kein Glubberer auch nur annähernd Bundesligatauglichkeit bewies, die Tatsache, dass Bunjaku im kommenden Spiel gegen Leverkusen fehlen wird. In einer Mischung aus unglaublicher Dummheit und mangelndem Fingerspitzengefühl durch Schiedsrichter Gagelmann schaffte es Bunjaku ohne Foul gespielt zu haben vom Platz zu fliegen. Für die restlichen Offensivkräfte fällt es schwer eine Beurteilung abzugeben, da sie kaum in Erscheinung traten. Einzig Ilkay Gündogan fiel einmal durch einen Freistoß, den er knapp am Tor vorbeischlenzte auf.

So war am Ende des schwachen Spiels das Remis, das Nullzunull der schlechtesten Art, nur die logische Konsequenz des Duells zweier defensiv eingestellter Mannschaften. Ein wahres Mauerfest mitten im Ruhrpott. Die Bewertung des erreichten Punkts wird – wie schon letzte Woche – wohl erst am Ende der Saison möglich sein. Wichtig scheint aber die Erkenntnis, dass auf der Großbaustelle 1. FC Nürnberg, die Dieter Hecking im Winter übernommen hatte, die ersten Arbeiten beendet worden sind. Die Defensive ist nun wasserdicht und eigentlich ganz schön anzusehen. Es bleibt aber nun noch viel Arbeit in der Vorwärtsbewegung. Die Offensive ist immer noch ein Rohbau ohne Dach und ohne klare Vorstellungen, wie es aussehen soll, wenn es fertig ist. Nur wenn Hecking es in den nächsten Wochen auch gelingt, die Offensive hinzukriegen, kann der FCN die Klasse noch halten und das Schneckenrennen im Keller für sich entscheiden.

 

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