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Wenn zwei Hamburger in Nürnberg drei Tore schießen, so löst das in Reihen der FCN-Fans selten Jubel aus. Wenn ein Bayern-Spieler in Nürnberg auf der Trage das Spielfeld verlässt, ruft das in Reihen der Glubberer selten Schock und Entsetzen aus. Wenn der einzige europäische Erstligist, der in der Liga noch ungeschlagen ist, nach Nürnberg kommt, gibt es für die Club-Anhänger selten etwas zu jubeln. Der 3:2-Erfolg des FCN gegen Bayer Leverkusen war ein solch seltenes Spiel. Bayern-Leihgabe Breno wurde mit Verdacht auf Kreuzbandriss vom Platz getragen; nach einem brutalen Foul des ehemaligen FCN-Spielers Stefan Reinartz. Eric-Maxim Chuopo-Moting und Mikael Tavares - ausgeliehen vom HSV - trafen für den FCN gegen Leverkusen und beendeten deren 24 Spiele währende Serie ohne Niederlage.
Dass der FCN dieses Spiel gewann, war - jenseits des Seltenheitswerts - auch noch verdient. Verdient, weil er über 60 Minuten den Tabellenzweiten vollständig unter Kontrolle hatte. Verdient, weil er in dieser Zeit seine Torchancen nutzte. Verdient, weil er am Ende die Ruhe bewahrte und sich ein wenig Glück erarbeitete. Glück, dass Raphael Schäfer sein Bein rechtzeitig ausfährt, um Barnettas Schuss abzuwehren; Glück, dass der Ball im Gewusel kurz vor Schluss nicht doch noch einem Leverkusener vor die Füße fällt. Doch, wie gesagt, das Glück war verdient, denn über weite Strecken schaffte es der Glubb, die Rheinländer zu dominieren. Nicht der Gastgeber, sondern die Gäste sahen aus, wie der Abstiegskandidat. Immer wieder wurde durch gutes Raumzustellen das Passspiel der Leverkusener unterbunden. Erst nach Kießlings Anschlusstreffer schien Kondition und Konzentration langsam nachzulassen. Dann plötzlich standen der Glubb zu weit weg von den Gegnern, ließ sich überlaufen und kassierte Gegentore. Zuvor jedoch war es schön anzusehen, dass die Leverkusener sichtlich davon überrascht waren, dass der FCN nicht wie gegen Bayern und Bochum sich allein auf die Defensivarbeit versteifte. Besonders auffällig in der Vorwärtsbewegung waren von Anfang an Eric-Maxim Chuopo-Moting und Ilkay Gündogan. Der junge Deutsch-Türke war unermüdlich, rackerte viel auch in der Rückwärtsbewegung und verteilte umsichtig die Bälle. Ähnlich engagiert in Sachen Balleroberung war auch Chuopo-Moting. Auch wenn dem 20-jährigen noch längst nicht alles gelang – es sei an seinen Fernroller aus 25 Metern erinnert – gelang es ihm dennoch das Fehlen von Albert Bunjaku vergessen zu machen. Am besten schaffte er dies natürlich durch seine beiden Tore, doch auch sein Arbeitspensum erinnerte an den Schweizer. Länger als Bunjaku wird dem Club wohl Breno fehlen. Wie gut, dass mit Dominic Maroh ein adäquater Ersatz auf der Bank zu finden war. Wäre Andreas Wolf, der erneut erhebliche Wackler hatte, nicht Kapitän, er wäre vermutlich heute derjenige gewesen, der nach Brenos Verletzung eingewechselt worden wäre. Warum neben Breno nicht auch Stefan Reinartz den Platz verlassen musste, wird wohl ein Geheimnis von Schiedsrichter Drees bleiben. Es steht zu befürchten, dass dieser 25. Spieltag der letzte war, an dem Breno für den FCN auflaufen durfte. Bewundernswert war jedoch, dass die Mannschaft sich von dem Schock des Ausfalls nicht beeinflussen ließ, sondern in den 13 Minuten nach dem Foul zwei Tore erzielte. Zwei Tore, die schön anzusehen waren. Zwei Tore die Eric-Maxium Chuopu-Motings Toranzahl verdreifachten. Zwei Tore, die am Ende den Unterschied machten, nachdem Leverkusen spät doch noch in Tritt kam. Zwei Tore, die sicherten, dass der FCN zum ersten Mal in diesem Jahr mehr als zwei Spiele in Folge nicht verlor. Zwei Tore, die den FCN auf Rang 15 hievten. Zwei Tore, die am Ende der Saison hoffentlich auch zum Unterschied zwischen erster und zweiter Liga beitrugen. Zwei Tore, die die Spielweise des FCN belohnten. Zwei Tore gegen das Mauern. Da fällt es gar nicht ins Gewicht, dass diese zwei Tore ein Hamburger geschossen hat.
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