Kommentar: Gut für den Glubb?
Geschrieben von: Andreas Fröber   
Mittwoch, den 16. Dezember 2009 um 14:53 Uhr

Martin Bader beantwortete dieser Tage die Frage eines Journalisten, ob für ihn ein Rücktritt von seinen Ämtern beim 1. FC Nürnberg denkbar wäre, dass er sich selbst einen Rücktritt erst dann vorstellen könne, wenn er das Gefühl habe, dass er den Verein nicht mehr weiter bringen könne. Dies wirft natürlich die Frage auf, warum Bader dann immer noch im Amt ist. Beim Glubb ist man es ja leider gewohnt, dass eher Chaos denn eitel Sonnenschein herrscht, jedoch verleitet die augenblickliche Situation dazu, sich größte Sorgen um den Verein zu machen.

 

Finanzchef Ralf Woy verkündete auf der Jahreshauptversammlung, dass der Verein es sich keinesfalls erlauben können, wieder den bitteren Gang in die zweite Liga anzutreten, da der Verein bei einem Abstieg gezwungen wäre sämtliche Leistungsträger zu verkaufen und selbst im Unterhaus zunächst einmal kleinere Brötchen backen müsse. Die finanzielle Situation des Vereins ließe keine andere Wahl. Erinnern wir uns zurück, die finanzielle Situation des Vereins war vor zwei Jahren so gut wie nie. Nachdem man den bitteren und absolut unnötigen Gang in die zweite Liga antreten musste, der vor allem auf eine falsch zusammengestellte Mannschaft zurückzuführen war, hielt man nahezu alle Leistungsträger zu unveränderten Bezügen. Im Gegenteil, die meisten Spieler verdienten aufgrund der Punkteprämie sogar noch mehr Gehalt als in der Vorsaison. In Relation zu den stark geschrumpften TV-Einnahmen eine betriebswirtschaftliche Katastrophe! Nach einem mehr als dubiosen Rücktritt des Trainers Thomas von Heesen, konnte der Aufstieg gerade so realisiert werden. Nicht auszumalen, wäre der Aufstieg gescheitert! Vor der Saison gab man die Devise aus, dass diese Saison nur der Klassenerhalt zählen würde. Dies waren sich durchaus zwar alle bewusst, jedoch wunderte sich der ein oder andere schon über die Transferpolitik. Gab man in der Vorsaison noch für Spieler wie Eigler über eine Million aus (die er wohl nicht mal im Ansatz wert ist), wurde vor dieser Saison lediglich der ablösefrei und bis jetzt in der ersten Liga gescheiterte Thomas Broich verpflichtet. Trainer Oenning sah darin sogar einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz, da man schließlich von Beginn an eine eingespielte Mannschaft hätte.

Konnte man anfangs noch einigermaßen mithalten, so offenbarte sich gerade in den letzen Wochen, dass der Klassenerhalt so keinesfalls zu schaffen sein wird. Die Mannschaft wirkte die letzten drei Spiele vollkommen tot und ihr Chef scheint mit der Situation vollkommen überfordert. Wurde vor dem Heimspiel gegen den Hamburger SV noch davon gesprochen, dass ein Sieg gegen den HSV Plicht sei (schließlich hatte dieser die letzten 7 Spiele nicht mehr gewonnen), hieß es nach dem blamablen 0-4, dass man der Mannschaft keinen Vorwurf machen könne, schließlich sei der HSV nicht auf Augenhöhe. Allerdings durfte man gegen mehrere Teams, die definitiv auf Augenhöhe sei sollten, Niederlagen im eigenen Stadion hinnehmen. Immer wieder wurden diese anschließend vom Trainer beschönigt. Hinzu kommt, dass man mehr und mehr das Gefühl bekommt, der Trainer sei auch taktisch überfordert. Nahezu jedes Spiel wurde mit einer anderen Formation begonnen. „Taktische Meisterleistungen“ wie Chupo-Moting in Dortmund als Spielmacher zu bringen oder Eigler gegen Hamburg in das linke Mittelfeld zu schieben sollten an diese Stelle lieber nicht weiter ausgeführt werden.

Nachdem sich nach der Blamage gegen den HSV erstmals in dieser Saison im Max-Morlock-Stadion leichter Unmut der Anhängerschar zeigte, regierte der Verein darauf, indem Baders Marionette, der neue Präsident und ehemalige Stadionsprecher Schäfer, verkünden ließ, dass es in Nürnberg keine Stuttgarter Verhältnisse geben würde. Oenning hätte bis 2011 Vertrag und dieser werde erfüllt. Bader selbst sprach von angeblichen Morddrohungen. Zunächst mutmaßte er, diese hätten mit seinen angeblichen Verhandlungen mit dem HSV zu tun, jedoch dürfte ihm mittlerweile durchaus bewusst sein, dass die allerwenigsten Fans des Glubbs allzu traurig wären, würde Bader den Verein endlich verlassen. Martin Bader stand nach der Entlassung Wolfgang Wolfs im Herbst 2005 selbst auf der Kippe. Baders alter Vorgesetzter in Berlin, Dieter Hoeneß, half seinen alten Schützling aus der Patsche indem er den ehemaligen Berliner Trainer Hans Meyer aus der Rente zurückzuholte, um für mindestens ein Jahr die Geschicke beim FCN zu übernehmen. Dies sollte sich zunächst als Glücksgriff für Bader und den Verein herausstellen. Meyer gelang es in seiner ersten Saison souverän die Klasse zu halten und in seiner zweiten Saison sensationell den DFB Pokal zu gewinnen. Dies hatte zur Folge, dass aus dem einst bis über beide Ohren verschuldeten Verein einen wirtschaftlich absolut gesunden Verein zu machen. Ab diesem Zeitpunkt sollte es schließlich bergab gehen. Durch eine absolut verfehlte Transferpolitik musste der Glubb am Ende der folgenden Saison die Belletage des deutschen Profifußballs verlassen. Der Rest sollte bekannt sein. Insofern dürfte die in der Überschrift gestellte Frage beantwortet sein...