| Warum Oenning gehen sollte - Ein Kommentar |
| Geschrieben von: Florian Zenger |
| Donnerstag, den 17. Dezember 2009 um 11:50 Uhr |
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Kommentatoren neigen in solchen Situationen dazu den Angegriffenen zu verteidigen. Der Trainer sei nur das schwächste Glied, das einzig austauschbare. Der Reflex, damit die großen Mechanismen der bösen kapitalistischen und schnelllebigen Fußballwelt zu geißeln, ist groß. Er ist in diesem Fall grundfalsch. Es lässt sich nicht leugnen, dass Michael Oenning im Jugendfußball einen hervorragenden Ruf genießt und irgendetwas vom Fußball verstehen muss, sonst würde er nicht bis zum heutigen Tag nebenbei für den Fernsehsender Sky als Assistent der Kommentatoren arbeiten. Nun muss es kein Qualitätsurteil sein, wenn Marcel Reif in ihn höchsten Tönen lobt, ein Mosaikstein ist es dennoch. Doch Fähigkeiten im Jugendbereich und hinter der Kamera lassen sich nicht auf das höchste Traineramt bei einem Bundesligaverein übertragen. Festzustellen ist dies vor allem, wenn Oenning von hinter der Kamera hervortritt und zur Presse spricht. Man mag ihm noch verzeihen, dass er sich – quasi als Kollege – von den Journalisten grundsätzlich duzen lässt und auch für seine eher monotone Vortragsweise kann der Ostwestfale wahrscheinlich nichts. Sie ist aber Ausdruck dessen, was in Nürnberg zu den Verwerfungen zwischen Trainer und Fans führt. Eine der am häufigsten geäußerten Kritiken an Oenning ist, dass er während des Spiels zu ruhig sei, sich zu wenig bewege, zu wenig ins Spiel einzugreifen versuche. Man kann diese Kritik als oberflächlich und unsachlich abtun, sie symbolisiert aber das Kernproblem des Verhältnisses. Oenning ist den Fans zu ungleich, es gibt nun mal auf den Tribünen jedes Fußballstadions nur wenige (Achtung, Klischee) Chopin liebende, Goethe lesende, Klavier spielende Sportlehrer. In sportlich erfolgreichen Zeiten übersieht man als Fan derartige Unterschiede, in sportlich schlechten werden sie dem Trainer um die Ohren gehauen. Daran, dass die Zeiten sportlich so schlecht sind (Platz 17, 12 Punkte, 9 Spiele ohne eigenen Torerfolg) auch daran trägt der Trainer mindestens eine gewaltige Mitschuld. Dabei geht es nicht einmal um den nicht einfach von der Hand zu weisenden Vorwurf, dass er mit seinen Interviews nach dem Spiel der Mannschaft jedes Mal ein Alibi verschafft, sondern um grobe taktische Fehler. Oenning hat es seit Saisonbeginn verpasst der Mannschaft ein System zu verpassen, in dem sich die Mannschaft zu Hause fühlt. 4-1-4-1 mit Raute, 4-4-2 mit Raute, 4-1-3-2, so lauteten die drei verschiedenen Grundaufstellungen in den letzten vier Spielen. Zusätzlich hat der FCN in dieser Saison bereits ein 4-2-3-1 (in München) und auch ein 4-1-4-1 mit flachem Mittelfeld (gegen Gladbach, in Stuttgart) ausprobiert. Im Schnitt bedeutet dies, grob gerechnet, dass im jedem dritten Spiel eine neue Grundformation zum Tragen kommt, von taktischen Nuancierungen ganz zu schweigen. Die Verunsicherung, die durch diese Wechsel entsteht ist den Spielern anzumerken. Die Bälle aus dem Mittelfeld landen oft im Niemandsland oder beim Gegner. Man kann dies natürlich auf die mangelnde Qualität der Spieler schieben, doch betrachtet man viele der Fehlpässe stellt man oft fest, dass einfach nur die Laufwege nicht auf die Passwege abgestimmt sind. Ein Vorwurf, der Oenning in seiner Kernkompetenz als Cheftrainer trifft. Verbunden mit der Problematik der taktischen Ausrichtung ist die personelle. Der Knackpunkt in Oennings Personalpolitik liegt im Mittelfeld. In der Abwehr ist mit der Viererkette Pinola-Wolf-Maroh-Diekmeier eine Formation gefunden, die Erstligamaßstäben von ihren Fähigkeiten her locker genügen kann; im Sturm ist mit Albert Bunjaku zumindest ein Stürmer, der immer mal wieder das Tor trifft und Oenning hält hier zumindest standhaft an Christian Eigler fest. Das kann man auf Grund der unterirdischen Leistungen Eiglers kritisieren, wenn man ihm aber das ständige Rotieren zum Vorwurf macht, darf Eigler nicht als Beispiel dienen. Jenes ständige Rotieren findet vor allem im Mittelfeld statt. Einzige personelle Konstante dort ist Peer Kluge, der alle 16 Saisonspiele gemacht hat. Allerdings hat der 28-Jährige bereits auf allen Positionen im Mittelfeld agieren müssen. Egal ob rechts, halbrechts offensiv, halbrechts defensiv, zentral defensiv, zentral offensiv oder links offensiv, Kluge wird wild durchs Mittelfeld verschoben, tut dort zwar sein bestes, hat aber keine Stammposition, obwohl er einen Stammplatz hat. Außer Kluge hat kein Nürnberger Mittelfeldspieler mehr als elf Saisonspiele absolviert, das heißt jeder Mittelfeldspieler außer Kluge hat mindestens fünf Mal überhaupt nicht in ein Spiel eingegriffen. Von den sechs Mittelfeldspielern, die am ersten Spieltag auf dem Feld standen, kamen in der vergangenen Woche in Dortmund nur zwei zum Einsatz: Kluge und der kurz vor Schluss eingewechselte Gündogan. Natürlich spielen auch Verletzungen eine Rolle im Oenning’schen Bäumchen-wechsel-dich-Spiel, doch auch ohne die Verletzungen ergibt sich ein Bild völliger Konzeptlosigkeit dahingehend, wie das Mittelfeld ausgerichtet werden soll und wer in ihm agieren soll. Deutlich wird dies unter anderem am Schweizer Daniel Gygax. Der durfte bis zum 9. Spieltag gar nicht eingreifen, es hieß wegen schlechter Trainingsleistungen, rutschte dann gegen Hertha BSC – nachdem er drei Spiele lang nicht einmal auf der Bank saß – plötzlich in die Startelf und erzielte prompt den Führungstreffer beim 3:0-Sieg. Nach einer einzigen schwachen Leistung im darauf folgenden Spiel gegen Hoffenheim landete der Schweizer gegen Bremen wieder auf der Bank und durfte im nächsten Spiel wieder von Beginn an ran. Ähnliches lässt sich auch bei Dario Vidosic oder Thomas Broich feststellen. In seiner Mannschaftsauswahl wirkt Oenning daher oft wenig bedacht, ja launisch. Launisch wie seine Mannschaft, die einem Feuerwerk wie gegen Hertha oder Wolfsburg, desolate Auftritte wie gegen Hoffenheim oder Freiburg folgen lässt. Es wirkt als könne das Team die Spannung nicht über mehrere Wochen hochhalten. Es spricht gegen die Fähigkeit des Trainers die Mannschaft fokussieren zu können, wenn in der gesamten Saison noch keine zwei Spiele hintereinander nicht verloren wurden. Es spricht gegen die Fähigkeit des Trainers zu motivieren, wenn die Mannschaft nach einem Rückstand, nur in einem von zehn Fällen noch einen Punkt holt. Es spricht gegen das Nervenkostüm des Trainers, wenn der nachdem die Fans 16 Spieltage lang still gehalten haben, deren mangelnde Unterstützung kritisiert. Die Resultate und die Ratlosigkeit des Trainers sprechen dafür, dass der FCN spätestens zur Winterpause einen Schlussstrich ziehen muss und im neuen Jahr konsequent neu beginnen sollte. Das Experiment mit einem unerfahrenen Trainer hätte dann zwar den Aufstieg herbeigeführt, jedoch keine Nachhaltigkeit oder Stabilität in den Verein gebracht, bei dem sich, sollten sich die Gerüchte um den Weggang von Sportchef Bader zum HSV verdichten, noch weitere Baustellen aber damit auch Chancen zum kompletten Relaunch – Präsident Roth, Symbol der alten Zeit ist bereits weg – auftun. Aussichtslos ist die Lage für den FCN nämlich noch nicht, mit einem neuen Trainer noch viel weniger. |
16 Spieltage lang war es ruhig in Nürnberg, gespenstisch ruhig für einen Verein, der bis zur Mitte des Jahrzehnts noch als ein Symbol für Unruhe und Schnellschüsse durch die Medienlandschaft geisterte. Doch dann, nachdem 65 Minuten gegen den